1:0 für „Ende Gelände“ vs. „RWE", doch die Lüge von der Kohle als Partner der erneuerbaren Energien geht weiter

Aktivisten besetzen den Braunkohle-Tagebau Garzweiler in einer Aktion des kollektiven Ungehorsams

Foto: Klimaaktivisten besetzen den Tagebau Garzweiler (Quelle: Ende Gelände CC BY-SA 2.0)

Mission erfolgreich: die Kohlebagger im Tagebau Garzweiler wurden gestoppt. Mit dieser symbolischen Aktion zeigte das Klimaschutzbündnis „Ende Gelände“, dass der Ausstieg aus der Kohle Handarbeit bleibt. Doch RWE beharrt darauf, dass Kohlestrom und Energiewende vereinbar seien.

Mit ihrer Aktion schafften es die Klimaaktivisten bis in die Nachmittagsausgabe der Tagesschau. Hunderte von Demonstranten und Demonstrantinnen schafften es, die Absperrungen von Polizei und RWE-Werkschutz zu umlaufen und besetzten den Tagebau. In dem kurzen Beitrag kamen auch der Pressesprecher von „Ende Gelände“ Martin Weis und anschließend der Pressesprecher Guido Steffen von RWE Power AG zu Wort.

Darin sagte Guido Steffen:

„Die deutsche Braunkohle sichert 25% unser Stromversorgung und weil sie in flexiblen Kraftwerken verstromt wird, wird sie auch noch für viele Jahre als Partner der erneuerbaren Energien für die deutsche Energieversorgung gebraucht werden. Sie ist also auch wichtig für die Energiewende.“

Die Lüge von der Vereinbarkeit von Kohlekraftwerken und Erneuerbaren Energien

Laut der Studie „Kohleverstromung zu Zeiten billiger Strompreise“ vom Fraunhofer Institut für solare Energiesystem heißt es:

„Braunkohlekraftwerke haben mit 9 bis 15 Stunden Kaltstartdauer nochmals erheblich längere Anfahrzeiten als Steinkohlekraftwerke und sind im laufenden Betrieb schlechter regelbar [9]. Zudem können heutige Braunkohlekraftwerke technisch bedingt nicht unter 50% der Nennleistung abregeln [10], da die Braunkohle einen hohen Wassergehalt aufweist wodurch die Kesseltemperatur bei zu geringer Leistung unter den erforderlichen Mindestwert fällt.“

So flexibel sind also Braunkohlekraftwerke gar nicht. Aber genau diese Flexibilität braucht es für die erneuerbaren Energien wie Wind- und Sonnenenergie. Denn diese sind wetterabhängig, weswegen die Energiemenge schwierig vorhersehbar ist. Deswegen braucht es Kraftwerke, die ihre Stromproduktion schnell regulieren können, um sich dem Angebot an Wind- und Sonnenenergie anzupassen. Gasturbinenkraftwerke beispielsweise haben eine Kaltstartdauer von 30 Minuten und erreichen in heißem Zustand ihre volle Leistung bereits nach 15 Minuten. Mehr dazu unter Grundlast vs. Spitzenlast. In der Fraunhofer-Studie wurden Kraftwerkstypen in Hinblick auf ihre Flexibilität bewertet.

 

Atomkraft

Braunkohle

Steinkohle

Gas

Kaltstartzeit

- - - 0 + +

Warmstartzeit

- 0 + + +

Laständerungsgeschwindigkeit

+ 0 + + +

Mindestlast

- - + +

Tabelle: Vergleich von Kraftwerkstypen anhand ihrer Flexibilität (Quelle: Fraunhofer Studie)

Wie flexibel ist der Kraftwerkspark von RWE Power?

Kraftwerke werden in verschieden Typen eingeteilt. Je nachdem, wie flexibel sie sich dem aktuellen Strombedarf anpassen können. Grundlastkraftwerke fahren immer mit einer kontinuierlichen Leistung, Tag und Nacht. Mittellastkraftwerke können ihre Leistung anhand eines vorgegebenen Plans im Verlauf des Tages verändern. Auf spontane Änderungen im Minutenbereich können sie aber nicht reagieren. Dafür gibt es die Spitzenlastkraftwerke.

Kraftwerk Typ Leistung in MW

Frimmersdorf

Grundlast

635

Goldenberg

Grudlast 171

Neurath

überwiegend

Grundlast

4.400

Neurath BoA 2&3

keine Angaben

2.200

Niederaußem

Grundlast

3.669

Weisweiler

Grundlast

1.992

Tabelle: Braunkohlekraftwerke von RWE Power AG (Quelle: Homepage von RWE Stand 16.08.2015)

Foto: besetzter Kohlebagger mit einer Sitzblockade von Aktivisten (Quelle: Ende Gelände CC BY-SA 2.0)

Einzig die „relativ“ neuen Kraftwerksblöcke Neurath BoA 2 und 3 können ihre Kraftwerksleistung relativ schnell anpassen (500MW Laständerung in 15 Minuten). Damit stehen 10.867 MW Leistung unflexibler Braunkohlekraftwerke nur 2.200 MW flexible Kraftwerksleistung gegenüber. Damit ist das Braunkohlekraftwerk Neurath Boa nicht mehr als ein Feigenblatt für einen ansonsten veralteten Kraftwerkspark, der ansonsten eine riesige Kohlendioxid-Schleuder darstellt.


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