Cradle-to-Cradle: Die Abschaffung des Mülls

Cradle to Cradle - Recycling im in neuer Verpackung

Recycling-Dreieck als Grafitti (Quelle: Kevin Dooley CC BY 2.0)

Nach dem System „Von der Wiege zur Wiege“ (Cradle-to-Cradle) stellt sich Michael Braungart eine Welt vor, in der es keinen Abfall mehr gibt. Konsumprodukte wie BH's oder Bürostühle verrotten entweder komplett zu neuer Erde oder ihre Komponenten können vollständig in neuen Produkten wiederverwendet werden. Doch ist das die Lösung aller Umweltprobleme der Menschheit?

Kompostierbare Chemie statt Deponie und Müllverbrennung

Es könnte so einfach sein, einfach die Lieblingsklamotten kaufen und wenn sie kaputt sind, einfach in den Biomüll schmeißen. So jedenfalls zeigt es der Film Cradle to Cradle: Nie mehr Müll - Leben ohne Abfall. Braungart's Vision ist die Neuerfindung sämtlicher umweltschädigender Produkte. Alle giftigen Inhaltsstoffe werden duch ungiftige ausgetauscht. So gibt es kein Entsorgungsproblem mehr, da alles recycelt oder kompostiert wird. Der Film thematisiert die in Deutschland gängige Mülllverbrennung, welche giftige Abgase und Asche produziert. Damit werden wertvolle Rohstoffe für immer vernichtet und die Atmosphäre belastet.

Die Idee von Baumgart ist nun nicht neu, das Kreislaufsystem basiert auf ähnlichen Gedanken. Nur fehlt der politische Wille dies umzusetzen. Genauso fehlt es auch an kritischen Verbraucher und Verbraucherinnen, die bereit sind für sowas mehr zu zahlen. Doch selbst wenn die Vision von Baumgart Wirklichkeit wird, sind die Umweltprobleme der Menschheit noch nicht gelöst. In seinen Ideen spiegelt sich die Ideologie vom grünen Kapitalismus wieder. Der behauptet: wir müssen unseren Lebensstil nicht ändern, wenn unsere Wirtschaft ist nachhaltig ist.

Grüner Kapitalismus als Lösung?

So schön wie es klingt wird es aber wahrscheinlich nicht werden. Nachhaltige Produkte sind gewiss ein richtiger Schritt, es fehlen aber noch viele andere. Beispielsweise ist damit nicht die Frage der Energieproduktion gelöst. Die Erdbevölkerung wächst rapide und jeder Mensch sollte die Möglichkeit bekommen, ein gutes Leben führen zu können. Dies wurde noch nie geschafft, obwohl der Kapitalismus einige Gebiete auf diesem Planeten in Regionen des Überflusses verwandeln konnte. Und die Zeiten des billigen Erdöls sind schon jetzt vorbei - da hilft auch kein Fracking mehr. Ob da die Zeit noch reicht, unsere Produkte noch nachaltig zu gestalten bevor uns die Folgen des Klimawandels in eine Katastrophe stürzen, bleibt fraglich. Ohne ein gründliches Nachdenken über unsere privaten Lebens- und Konsumgewohnheiten, wird es wahrscheinlich nicht klappen. Cradle-to-Cradle: ein alter Hut in neuer Verpackung.


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