Der Rebound-Effekt – Rolle rückwärts zur Nachhaltigkeit

Rebound-Effekt beim VW-Golf: immer stärker, immer schwerer

Die erste Golf-Version in der Produktion in Wolfsburg (Quelle: BundesarchivCC BY-SA 3.0 DE)

Der Green New Deal soll es richten: der Umbau unserer Marktwirtschaft hin zu einer langfristig tragfähigen Wirtschaft, die nicht die eigene Ressourcenbasis auffrisst. Eine Möglichkeit dahin ist die Effizienzsteigerung. Durch neue technische Innovationen sinkt der Ressourcenverbrauch bei gleichbleibender Leistung. Dies lässt sich gut am Golf von Volkswagen zeigen. Doch wie kommt es, dass wir uns dann immer weiter von einer nachhaltigen Gesellschaft entfernen?

Paradox: Innovation vs. Benzinverbrauch

Eine Antwort darauf ist der Rebound Effekt, der auch als Jevon's Paradoxon bekannt ist. Der englische Ökonom William Stanley Jevons schrieb 1865 in seinem Werk The Coal Question über seine beunruhigenden Forschungsergebnisse. Er hatte den Auftrag den Kohleverbrauch Englands zu analysieren, da dieser für die Dampfmaschinen und die galoppierende Industrialisierung lebenswichtig war. Er kam zu dem Ergebnis, dass trotz immenser Effizienzsteigerungen der Dampfmaschinen der Kohleverbrauch in die Höhe schnellte. Das Einsparpotential der neuen Dampfmaschinen wurde durch die massenhafte Zunahme der Dampfmaschinen wieder aufgefressen.

Rebound-Effekt in der Auto-Industrie

Dieser Effekt lässt sich in vielen Bereich der Gesellschaft beobachten. Hier sind als Beispiel eine erfolgreiche Automobil-Serie von VW: der Golf. Aufgrund seiner Geschichte lässt er sich gut vergleichen. Ich habe hier die technischen Daten aufgelistet, jeweils das leistungsmäßig kleinste und größte Modell der jeweiligen Baureihe [0].

Modell Golf 1 Golf 2 Golf 3 Golf 4 Golf 5 Golf 6
Baujahr: 1974 - 1983 1983 - 1992 1991 - 2001 1997 - 2003 2003 - 2009 seit 2009
Leistung 50 - 112 PS 45 - 160 PS 54 - 190 PS 68 - 204 PS 75 - 250 PS 80 - 271 PS
Verbrauch 8,7 - 10,1 l 8,1 - 10,3 l 8,4 - 11,9 l 7,0 - 11,7 l 7,7 - 11,1 l 8,3 - 10,4 l

In einem Diagramm ist der Trend offensichtlich: während sich der Treibstoffverbrauch nur unwesentlich verändert, schnellen die Leistungswerte der Autos in die Höhe und neutralisieren die effizientere Treibstoffnutzung. Gelb ist der Spritverbrauch dargestellt. Der untere Graph zeigt die sparsamsten Motoren der Baureihe, darüber sind die größeren Motoren dargestellt. In rot ist die PS-Leistung dargestellt. Leistungsdaten Golf-Modelle: Verbrauch von Treibstoff und Motorleistung im Vergleich

Grafik: Vergleich von Benzinverbrauch und Leistung von Golf 1 bis Golf 6 (Quelle: TransitionsBlog.de CC-BY-SA)

Daraus ist zu sehen, dass von 1974 bis 2013 der Verbrauch beim kleinsten Modell um 0,7 l  zurück ging, was einer Ersparnis von 8% ist. Die Leistung hingegen vergrößerte sich um 60% in der kleinsten und um satte 142% in der größten Version. Die Ersparnis im Benzinverbrauch führte also zu immer leistungsstärkeren Motoren. Vermutlich wird der Effizienzgewinn durch zusätzliches Gewicht bzw. energiehungrige Ausstattungskomponenten wie beispielsweise Klimaanlagen und Sitzheizungen wieder aufgefressen. Der technische Fortschritt führt hier nicht zur Ressourceneinsparung, sondern zu einem Aufblähen anderer Komponenten bei konstantem Ressourcenverbrauch. Dies kann natürlich nur so lange gut gehen, wie die Zahl der gekauften Autos nicht weiter steigt. Aufgrund der steigenden Konsummöglichkeiten aufstrebender Schwellenländer ist davon allerdings nicht auszugehen. Hier ist also ein anderer Konsumstil gefragt. Kundinnen und Kunden sollten dazu übergehen, treibstoffarme Autos nachzufragen. Ein Fokus der Forschung auf Treibstoffsenkung hätten uns wahrscheinlich bereits ein breitenwirksames Ein-Liter-Auto mit akzeptablen Leistungswerten beschert.


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