Durch die Peak-Oil Krise zu einem Leben ohne Stress als Suffizienzrebell – KenFM im Gespräch mit Niko Paech

ökonom Nico Paech bei einer Konferenz über nachhaltige Entwicklung

Nico Paech bei einem Vortrag über Postwachstum (Quelle: UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" CC BY 2.0)

Ginge es nach dem Willen des Wirtschaftswissenschaftlers Niko Paech, würden wir in einer Welt ohne Flugreisen, Werbung und Wirtschaftswachstum leben. Warum wir dennoch glücklicher wären, erklärt er in seinem Buch über Postwachstumsökonomie „Befreiung vom Überfluss“.

Mehr Freiheit durch DIY

Im Gespräch mit Ken Jebsen von KenFM erklärt Paech zentrale Position in seinem neuen Buch. Er plädiert nicht dafür weniger zu konsumieren, sondern sich einen komplett neuen Lebensstil anzueignen. Einen Lebensstil, der nicht auf den Konsum von Statussymbolen wie exotischen Reisen oder teuren Gadgets wie Laptops oder Smartphones beruht. Dafür aber auf weniger Stress durch weniger Arbeit, Spaß am Reparieren und einer Kultur des Teilens.

Unbegrenztes Wachstum auf einem begrenzten Planeten

Doch warum sollten wir unseren Lebensstil ändern? Weil wir schlichtweg keine andere Möglichkeit haben, wenn wir am Leben bleiben wollen. Durch Peak-Everything, also einer Krise der wichtigsten Rohstoffe wie Erdöl (Energieträger, chem. Industrie), Phosphor (Düngemittel), Seltene Erden (z.B. Neodym für Magnete in Generatoren) oder fruchtbare Böden (Nahrungsmittelproduktion) wird unser Wirtschaftsmodell auf Basis von unbegrenztem Wachstum zusammenbrechen. Der Kreislauf von Massenproduktion und Massenkonsum wird über seine eigenen Füße stolpern. Spätestens wenn die Ressourcen des Planeten erschöpft sind und unsere Umwelt vergiftet ist. Eine zweite Erde steht nicht zur Verfügung.

Krise als Chance für gesellschaftliche Transition

Diese Krisen werden sich häufen und immer öfter zusammenfallen. Aus Rohstoffkrisen werden Wirtschaftskrisen, die zu tiefgreifenden Veränderungen unserer Gesellschaft führen. Diejenigen, die schon jetzt einen nachhaltigen Lebensstil anstreben, haben später weniger Probleme sich in den Krisen zurechtzufinden. Wer weniger braucht, ist nicht so verletzlich. Durch Selbstversorgung kann es ein Mehr an Freiheit geben. Selbstversorgung beinhaltet alle Fähigkeiten, seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Das bedeutet beispielsweise Urban Gardening, Repair-Café's, Nutzungsgemeinschaften wie Car-Sharing oder Food-Coops.

Das Interview gibt es in drei Teilen bei Youtube. Leider ist die Videoqualität recht anstrengend, aber allein das Gespräch als Audio-Mitschnitt bietet interessante Denkanstöße.


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