Ein ökologischer Gartenzaun zum Nulltarif im Selbstbau

Zaun aus Stecklingen von Weiden als Sichtschutz zum selber bauen

Foto: Weidenzaun mit sich überkreuzenden Weidenstecklingen (Quelle: TransitionsBlog.de CC-BY-SA)

Vor neugierigen Blicken hilft ein Sichtschutz. Der Handel bietet viele Möglichkeiten, vom hölzernen Lamellenzaun bis zum Maschendrahtzaun. Für viel Geld kann man kiloweise Schrott nach Hause fahren. Warum nicht einen kostenlosen Zaun bauen, der eine Bereicherung für die biologische Artenvielfalt darstellt, sich selbst repariert und am Ende seiner Lebenszeit nicht entsorgt werden muss? Ein Weidenzaun zum selber bauen.

Weidenstecklinge vorbereiten

Als Materialspender eignen sich besonders Kopfweiden. Diese haben viele Triebe, welche auch noch in entspannter Arbeitshöhe abgesägt werden können. Die Ruten sollten an ihrer dünnsten Stelle mindestens 3cm Durchmesser haben. Mit einem Messer ist da nichts mehr zu machen. Weidenholz ist auch ein sehr biegsames Holz. Abbrechen der Triebe führt zu starken Verletzungen des Baumes. Mit einer scharfen Grünholzsäge nur so viele Triebe entfernen, dass dem Baum noch genügend Blattwerk für sein Weiterleben bleibt. Mit einem Messer die Triebspitze, Zweige und Blätter entfernen. Zusätzlich kann auch noch die untere Schnittkante angeschrägt werden. Für meinen Sichtschutz habe ich die Ruten auf zwei Meter Länge geschnitten.

Anwurzeln der Stecklinge im Wasser

Manche lassen diesen Schritt aus und setzen die frisch geschnittenen Stecklinge direkt in den Boden. Ich ziehe es vor, meinen Stecklingen einen Vorsprung zu geben: zum Anwurzeln stelle ich sie circa zwei Wochen in einen Wassereimer. Sobald die ersten Wurzeln sich zeigen kann es weitergehen.
Weidenstecklinge für einen Weidenzaun beim Anwurzeln nach zwei Wochen im Wasser
Foto: Weidenruten mit Wurzelansätzen (Quelle: TransitionsBlog.de CC-BY-SA)

Setzen der Stecklinge

Die Stecklinge werden mindestens 30cm tief in die Erde gepflanzt. Dabei darauf achten, dass die feinen Wurzelansätze nicht abbrechen. Leichter geht dies wenn jemand hilft: eine Person hält den Steckling in gewünschter Position, die andere füllt die Löcher mit Erde auf. Ich habe meine Steckling schräg gepflanzt damit sie sich gegenseitig überkreuzen. An den Kreuzungen habe ich die Steckling mit einem Baumwollband zusammengebunden. Hoffentlich wachsen sie in Zukunft an dieser Stelle zusammen.

Gießen des Zaunes

Besonders in den ersten Tagen braucht der Zaun viel Wasser. Wenn die Wurzeln lang genug gewachsen sind, versorgt sich der lebende Sichtschutz selbst mit Wasser und Nährstoffen. Je besser das Anwachsen klappt, je höher die Überlebensrate der einzelnen Stecklinge. Der Zaun auf den Bildern ist inzwischen knapp ein Jahr alt und circa 80% der Stecklinge haben den Winter überlebt.
angewachsener Weidenzaun mit sich überkreuzenden Weiden-Stecklingen Foto: lebender Sichtschutz aus Weidenruten (Quelle: TransitionsBlog.de CC-BY-SA)

Mehr braucht es nicht. Und nebenbei hat man dutzende Bäumen gepflanzt und seinen ökologischen Fußabdruck verbessert.

Vergleich zum herkömmlichen Lattenzaun

Ein herkömmlicher Lattenzaun im Selbstbau benötigt ungefähr die gleiche Arbeitszeit. Das Betonfundament ist in der Herstellung aufwändiger, dafür entfällt das Gießen bzw. die Pflege des lebenden Zaunes. Von Vorteil ist, dass der Sichtschutz sofort nach Montage der Latten in vollem Umfang ausgebildet ist. Der Weidenzaun braucht ein paar Wochen, bis die Wurzeln gut angewachsen sind. Ein großer Unterschied besteht in den Kosten: für den Lattenzaun braucht es Zement, Verschalungs-Material, Metallfüße, Schrauben, Latten und den Anstrich für den Witterungsschutz. Ein lebender Zaun aus Weiden benötigt kein Verbrauchsmaterial außer einer Weide für die Stecklinge. Aber wenn alles klappt, gibt es eine neue kleine Baumreihe aus Weiden.


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