Ende Gelände: Eine Geschichte von Braunkohle, dem Tagebau Garzweiler und zivilem Ungehorsam

Braunkohletagebau Garzweiler

Foto: Mondlandschaft im Braunkohle-Tagebau Garzweiler (Quelle: Bert Kaufmann CC BY 2.0)

Obwohl die erneuerbaren Energien technologisch ausgereift sind, basiert die Stromerzeugung in Deutschland immer noch auf fossilen Energieträgern. Braunkohle und Steinkohle bilden das Rückgrat der Energieversorgung. Die Klimaschutzbewegung versammelt sich in diesen Tagen, um am Wochenende die Kohlebagger von RWE im Tagebau Garzweiler zu stoppen.

Deutschlands fossiler Energiemix

Nachdem Europa ab 1700 weitgehend entwaldet war, mussten neue Brennstoffe her. Durch Zufall wurde entdeckt, dass eine bislang unbrauchbare Schicht über Tonvorkommen nach Trocknung an der Sonne brennbar war - die Geburtsstunde der Braunkohle. Seitdem wird industriell nach Braunkohle gegraben. Auch heute noch ist die Braunkohle der wichtigste Energierohstoff. Dieser wird überwiegend im Tagebau mit riesigen Kohlebaggern gefördert. In keinem andern Land der Welt wird mehr Braunkohle gefördert wie in Deutschland.

Grafik: Bestandteile des Energiemix in Deutschland 2013 nach Daten von BDEW (Quelle: Transitionsblog.de)

Über die Hälfte der im Jahr 2013 erzeugten Kilowattstunden wurden durch die Verbrennung der fossilen Energierohstoffe Braunkohle, Steinkohle und Erdgas erzeugt. Damit ist die Kohlverstromung eines der Hauptfaktoren für Treibhausgasemissionen in Deutschland.

Was ist das Problem mit Braunkohle?

Die Nutzung von Braunkohle verursacht verschieden Probleme. Angefangen bei dem Abbau über die Verbrennung in Kraftwerken bis hin zur Entsorgung von Asche und Schlacke, die durch die Kohleverstromung entstehen.

1. Umweltschäden durch Braunkohletagebau

Der Flächenverbrauch eines Tagebaus ist gigantisch. Ein Blick auf ein Luftbild vom Rheinischen Braunkohlerevier zeigt die Ausmaße. Der Tagebau Hambach als größter Tagebau in Deutschland gleicht einer Mondlandschaft von 85 km². Die Stadt Stralsund würde locker zweimal hineinpassen. Die Folgen eines Tagebaus für die Umgebung sind:

  • Umsiedlung ganzer Ortschaften
  • Vernichtung der Vegetation über den Lagerstätten
  • Beeinträchtigung der umliegenden Vegetation durch Absenkung des Grundwasserspiegels damit die Grube nicht vollläuft

2. Treibhauseffekt durch Kohlendioxidemission bei der Braunkohleverbrennung

Braunkohle ist von allen fossilen Brennstoffen der Energieträger, der den kleinsten Heizwert hat (die Hälfte von Holz) dafür aber die größten Mengen an Kohlendioxid freisetzt (doppelt so viel wie Erdgas, aber ähnlich viel wie bei Holz). Damit ist die Braunkohleverstromung der größte Klimakiller in Deutschland.

3. Umweltschäden durch die Verbrennungsprodukte

Bei der Verbrennung entstehen neben den Verbrennungsgasen (C02, NOx, SO2) auch Asche und Schlacke, die mit giftigen Stoffen belastet sind. Dazu zählen z.B.: Cadmium, Arsen, Quecksilber und Blei. Weiterhin enthalten sind schwach radioaktive Elemente wie Thorium und Uran. Darüber hinaus sind Teile der Flugasche als Feinstaub lungengägig und können Atemwegsbeschwerden und Lungenkrebs hervorrufen. Nur ein Teil dieser Stoffe kann mit geeigneten Filter zurückgehalten werden.

Foto: Braunkohletagebau Nochten und das Kohlekraftwerk Boxberg von Vattenfall in der Lausitz (Quelle: gbohneCC BY-SA 2.0)

Durch zivilen Ungehorsam zur Klimagerechtigkeit

In der UN-Klimakonferenz 2010 in Cancun / Mexiko und auf dem G8-Gipfel 2009 in L’Aquila / Italien wurde sich international darauf geeinigt, die Erwärmung des Klimas durch den anthropogenen, also der durch Menschen verursachten Treibhauseffekt auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Soll dieses Ziel erreicht werden, muss global auf die Verbrennung von fossilen Energieträgern verzichtet werden. Deutschland könnte als reiches High-Tech-Industrieland hier durch einen Verzicht auf Kohleverstromung eine Vorreiterrolle einnehmen – macht es aber nicht! Stattdessen laufen die Kraftwerke munter weiter und behindern die Energiewende in gleichem Maße, wie die Atomkraft.

Aus diesem Grund hat sich das Klimaschutzbündnis Ende Gelände – Kohlebagger stoppen. Klima schützen gegründet, um am kommenden Wochenende durch eine Besetzung des Tagebaus Garzweiler den Kohleabbau von RWE zu blockieren. Durch zivilen Ungehorsam als Form der direkten Demokratie macht die Umweltschutzbewegung auf ein drängendes Problem aufmerksam: die Energiewende in Deutschland erfolgt zu langsam. Wie dies schneller passieren kann, wird gleichzeitig auf dem vor Ort stattfindenden Klimacamp vom 7. bis zum 17. August und der Degrowth-Sommerschule diskutiert.

Kohleausstieg ist Handarbeit

Wer nicht darauf warten will, dass die Industrie und die Politik das Klima retten, kann seinen ganz persönlichen Kohleausstieg durchführen. Durch den Wechsel des eigenen Stromanbieters können gezielt die Stromproduzenten gefördert werden, die auf erneuerbare Energien setzen. Wie dies ganz unkompliziert funktioniert ist auf Atomausstieg selber machen beschrieben.


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