Klimaskeptiker: Der Klimawandel in der Lügenpresse der AFD

AFD: Klimawandel ist eine Lüge, deshalb braucht es keine Energiewende

Im Wahlprogramm der AFD wird der menschengemachte Klimawandel als Lüge dargestellt. Was sind die Argumente der Klimaskeptiker und wie stellt sich die Partei den Umweltschutz in Deutschland vor, wenn es nach ihr ginge?

Klimawandel als Verschwörung der Wissenschaft

Das letzte Kapitel im Wahlprogramm der AFD ist dem Umwelt- und Naturschutz gewidmet. Darin steht geschrieben:

"Das Spurengas Kohlenstoffdioxid (CO2) ist kein Schadstoff, sondern eine unverzichtbare Voraussetzung für alles Leben. Die Aussagen des Weltklimarats (IPCC), dass Klimaänderungen vorwiegend menschengemacht seien, sind wissenschaftlich nicht gesichert. Sie basieren allein auf Rechenmodellen, die weder das vergangene noch das aktuelle Klima korrekt beschreiben können. Schon vor der Industrialisierung gab es Warm- und Kaltperioden, die sich nicht durch die zugehörige CO2-Konzentration der Luft erklären lassen. [..] Das Pariser Klimaabkommen vom 12.12.2015 ist zu kündigen. Deutschland soll aus allen staatlichen und privaten „Klimaschutz“-Organisationen austreten und ihnen jede Unterstützung entziehen." (Wahlprogramm 2017 AFD)

Die Klima-WissenschaftlerInnen des IPCC fassen sämtliche Forschungsergebnisse auf dem Gebiet des natürlichen und menschengemachten Klimawandels zusammen. Sie betreiben selbst für das IPCC keine Forschung, sondern sichten und bewerten die Gesamtheit der wissenschaftlichen Fachliteratur zu diesem Thema. Ihre Aussagen lassen sich als Mittelwert der aktuellen Erkenntnisse aus der internationalen Klimaforschung aus über 190 Ländern lesen. Es sind also keine Einzelmeinungen, sondern die Meinung der Klima-WissenschaftlerInnen von fast allen Ländern. Und die hat bewiesen, das sich die vergangenen Warm- und Kaltperioden durch die Milanković-Zyklen und den darauf folgende CO2-Anstieg durch Rechenmodelle bestätigt werden konnten. Seit der massenhaften Verbrennung fossiler Brennstoffe seit der Industriealisierung hat der Mensch selbst Einfluss auf den Anteil des Spurengases CO2 in der Atmosphäre genommen. Wie diese veränderte Luftzusammensetzung den Treibhauseffekt begünstigt. haben viele im Experiment im Schulunterricht selbst erfahren. Hier wird also der Forschungsstand schlichtweg ignoriert und das Gegenteil behauptet. Typische Argumente von Klimaskeptigern, wie sie auch von der AFD bemüht werden, werden in dieser Stellungnahme von Stefan Rahmsdorf, Klimaforscher am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, widerlegt.

Energiepolitik: das braune Ende der Energiewende – Kohle statt Windkraft

Laut der AFD sind es die erneuerbaren Energien, die die Stromnetze belasten und die hohen Kosten verursachen – nicht die fehlenden Investitionen der vergangenen Jahrzehnte. Sie ignoriert komplett den Fakt, dass gerade die großen Grundlastkraftwerke (Atom- und Kohlekraftwerke) durch ihre mangelde Regulierungsfähigkeit das Stromnetz für Windstrom blockieren. Bei guten Windverhältnissen müssen deshalb viele Windkraftanlagen zugunsten von Kohlestrom abgeschaltet werden.

"Deutschland hat Strompreise, die mit jedem Zubau weiterer Wind- und Sonnenstromanlagen und dem Netzausbau zwangsläufig weiter steigen. [..] Die bestehenden Kernkraftwerke wollen wir deshalb nicht vor Ende ihrer Nutzungsdauer außer Betrieb nehmen. Auch auf die Nutzung moderner Gas- und Kohlekraftwerke wird Deutschland auf absehbare Zeit nicht verzichten können." (Wahlprogramm 2017 AFD)

Obwohl uns die Sonne keine Rechnung schickt, ist Wind- und Solarstrom nicht kostenlos. Die Anlagen müssen produziert und gewartet werden. Auch das Stromnetz, was für große Atom- und Kohlekraftwerke ausgelegt war, muss jetzt für eine dezentrale Energieversorgung mit schwankendem Wind- und Solarstrom umgebaut werden. Das kostet natürlich. Doch Strom aus erneuerbaren Energien ist viel günstiger als Strom aus Kohle- und Atomkraftwerken. Denn die Kosten für die Renaturierung von ehemaligen Braunkohletagebauen (z.B. in der Lausitz oder im Rheinland) oder die sichere Einlagerung von Atommüll sind nicht in den Stromkosten enthalten. Fällt ein Windrad um, ist dies sicherlich unschön für den betreffenden Acker, auf den die Windkraftanlage wahrscheinlich fällt. Vielleicht sterben auch ein paar Igel oder Vogelnester gehen zu Bruch. Ein explodiertes Atomkraftwerk ist noch nicht einmal versichert gegen die immensen Schäden für Menschen und Natur. Und dies in einem so dicht besiedelten Land wie Deutschland. Die Katastrophen von Fukushima, Tschernobyl oder dem Kyschtym-Unfall passierten alle in dem Glauben, über sichere Atomtechnologie zu verfügen. Unabhängig von den möglichen Risiken bei einem Unfall, entstehen auch durch den Abbau der Kohle oder des Urans erheblich Umweltprobleme. Diese Umweltfolgekosten sind nicht in den Stromkosten enthalten, weshalb Kohle- und Atomstrom scheinbar günstiger sind. Werden diese Kosten mit eingerechnet, würde eine Kilowattstunde Atomstrom das Fünffache von Windstrom kosten. Kohlestrom wäre immernoch doppelt so teuer, wie Strom aus Windkraftanlagen. Dies belegt eine Studie vom Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft.

Die AFD als Erfüllungsgehilfin der Automobilindustrie

Individualisierter Rennsport auf Deutschlands Autobahnen soll auch weiterhin die AutofahrerInnen bei Laune halten.

"Eine ideologisch geleitete Verkehrspolitik, die bestimmte Verkehrsmittel bevorzugt oder diskriminiert, z.B. Dieselfahrzeuge, lehnt die AfD ab. Deshalb wenden wir uns auch gegen ein flächendeckendes Tempolimit und erfolglose Umweltzonen." (Wahlprogramm 2017 AFD)

Über den Erfolg von Umweltzonen gibt es widersprüchliche Aussagen. Unbestreitbar ist allerdings der Fakt, dass eine Förderung und Ausbau vom ÖPNV Leuten einen Anreiz gibt, ihr Auto in der Stadt stehen zu lassen und auf Bus und Bahn umzusteigen. Diese Entscheidung folgt der Einsicht, dass bestimmte Verkehrsformen umweltschädlicher sind, als andere und deshalb gefördert werden müssen. Ein Tempolimit auf Autobahnen hätte mindestens zwei Vorteile:

  • schnelle Autos mit hohem Spritverbrauch würden weniger gekauft werden, da die Spitzengeschwindigkeit in nahezu keinem Land Europas auf öffentlichen Straßen ausgereizt werden könnte
  • die Zahl der Unfälle auf Autobahnen nimmt ab, der Verkehr fließt ruhiger und dadurch gibt es weniger Staus

Rettung der Fledermäuse: Naturschutz durch Kohlekraftwerke

"Die Windenergie ist ein energiepolitischer Irrweg, ökonomisch absurd und ökologisch kontraproduktiv. Wir lehnen den weiteren Ausbau der Windenergie ab, denn er bringt mehr Schaden als Nutzen. [..]Windenergieanlagen sind nur noch ausnahmsweise an Standorten zuzulassen, an denen keine Beeinträchtigungen für Menschen, Tiere oder das Landschaftsbild zu erwarten sind. Anerkannte Studien zeigen seit Jahren die verheerende Wirkung von Windkraftanlagen auf geschützte Vögel und Fledermäuse. Gravierend sind auch die gesundheitlichen Schadwirkungen auf den Menschen durch Schattenschlag und Lärmemission. Die flächendeckende Zerstörung unserer Landschaften ist die Folge von Windparks wie von zusätzlichen Stromtrassen." (Wahlprogramm 2017 AFD)

Scheinbar findet die AFD die riesigen Mondlandschaften, die durch den Abbau von Braunkohle in vielen Gebieten Deutschlands existieren, ästhetisch ansprechender als Windparks am Horizont. Auch der Uranabbau hinterlässt in den Abbauregionen strahlende Abraumhalden und belastet mit giftigen Schlämmen das Grundwasser der betreffenden Region. Wichtig zu erwähnen: durch die Kohleverstromung gelangt auch das in der Kohle enthaltene Quecksilber über die Schornsteine in die Umwelt und wird durch den Regen in die Flüsse und Gewässer ausgewaschen. Dort lagert es sich in den Tieren an und führt zu Organschäden und verändert die DNA, womit die Fortpflanzung gestört wird. Über die Nahrungskette gelangt dann das Nervengift Quecksilber auch auf unseren Teller. Aus diesem Grund wird auch davon abgeraten, Fische aus Rhein, Elbe und Donau zu essen.

Fakt ist aber auch, dass auch der Betrieb von Windkraftanlagen negative Einflüsse auf die Umwelt hat. Hier muss abgewogen werden, welche Art der Stromgewinnung die wenigsten ökologischen Kosten verursacht. Die Rechnung ist einfacher als gedacht: die Energiewende ist keine Frage des politischen Willens, sondern eine Notwendigkeit. Nur so können wir auch den zukünftigen Generationen eine Erde hinterlassen, die die notwendigen Ressource hat, um ein gutes Leben führen zu können.

Ohne Energiewende, keine Zukunft

So stark, wie die AFD den menschengemachten Klimawandel leugnet, so klar sind die Beweise der internationalen Wissenschaft. Die Verbrennung der fossilen Energierohstoffe Erdöl, Erdgas und Kohle führt schon in vielen Teilen der Welt zu immer größeren Umweltkatastrophen. Dürren, Überschwemmungen und Unwetter sind nur einige der unerwünschten Folgen des Klimawandels. Die KlimaskeptikerInnen der AFD machen sich damit zur Marionette der Erdöl- und Automobilindustrie. Mit ihrer Kampfansage an die Energiewende trägt die Partei dazu bei, die globalen Probleme zu verschlimmern. Eine nachhaltige Umweltpolitik ist nur mit der konsequenten Umsetzung der Energiewende und flankierender Maßnahmen wie besseres Recycling und Suffizienz möglich. Die Wissenschaft ist sich schon längst einig – nur die Politik zögert noch.


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