Lebensmittelverschwendung in Supermärkten – Handlungsmöglichkeiten für ein ökologisches Problem

Lebensmittelverschwendung: essbare Lebensmittel in der Mülltonne

Lebensmittelverschwendung: noch essbare Lebensmittel in der Mülltonne (Quelle: USDA CC BY 2.0)

Was passiert mit nicht verkauften aber noch essbaren Lebensmitteln in Supermärkten? Diese werden, genauso wie andere Abfälle auch, in Mülltonnen entsorgt. Diese Praxis der Lebensmittelverschwendung soll nun in Frankreich per Gesetz verhindert werden. Doch sind damit die Probleme gelöst?

Supermärkte ab einer Größe von 400 Quadratmetern dürfen zukünftig ihre nicht verkauften Lebensmittel nicht einfach per Mülltonne entsorgen. Ein neues Gesetz zwingt sie, diese entweder an Wohlfahrtsorganisationen zu spenden oder sie einer gesonderten Verwertung zuzuführen. Entscheiden sich die Supermärkte dagegen, diese Lebensmittel an Bedürftige zu spenden, können sie diese entweder als Tiernahrung abgeben oder sie kompostieren lassen. Alternativ wird auch eine energetische Verwertung ermöglicht, wie zum Beispiel in Biogasanlagen.

Wegwerfverbot für Lebensmittel - ein Tropfen auf den heißen Stein

Hauptkritikpunkt an diesem Gesetz ist die Reichweite. Bei den Supermärkten anzusetzen ist zwar schon ein Schritt in die richtige Richtung, Lebensmittelverschwendung findet aber auch an anderen Teilen der Wertschöpfungskette statt. Bereits in der Landwirtschaft entstehen Ernteverluste. Ein Teil vom frisch geernteten Obst und Gemüse wird aussortiert, weil es ich Form und Farbe nicht den Anforderungen des Zwischenhandels entspricht. Bei Großverbrauchern wie Restaurants und Kantinen fallen wiederum Reste nicht verkaufter Speisen an oder es entstehen Prozessverluste durch die Zubereitung oder Lagerung der Lebensmittel. Die größte Verschwendung allerdings entsteht in den privaten Haushalten. Laut einer Studie vom WWF könnten hier die meiste Verschwendung vermieden werden. Schuld daran ist eine schlechte Einkaufsplanung, falsche Lagerung oder ein Fehlverständnis der Haltbarkeitsangaben. Hier steht zwar im Gesetz, dass in den französischen Schulen Lebensmittelverschwendung nun ein Pflicht-Thema wird, wir sich dies aber in Zukunft auf das Verhalten der privaten Haushalte niederschlägt, bleibt abzuwarten. 

Kritik am Gesetz

Speziell am Gesetz in Frankreich kritisiert der WWF folgende Punkte:

  1. Den Supermärkten wird nicht vorgeschrieben, wie sie ihre Lebensmittel entsorgen. Ob sie diese nun auf den Kompost werfen oder sie diese an Bedürftige weitergeben, bleibt ihnen selbst überlassen.
  2. Durch die nun ausgelöste Flut an Lebensmittelspenden durch Supermärkte werden karitative Einrichtungen mit ihren meist ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen überlastet. Die Verantwortung für die Lebensmittelverschwendung kann damit von den Supermärkten auf die freiwilligen Strukturen der Wohlfahrtsorganisationen abgewälzt werden.

Verbesserungsmöglichkeiten

Selektion von Lebensmitteln, die vom Standard abweichen bekämpfen

Ein Großteil der Lebensmittel wird bereits aussortiert bevor sie den Supermarkt erreicht. Ein klassisches Beispiel ist die krumme Gurke. Die ist zwar genauso lecker wie ihre gerade Kollegin, doch viele Zwischenhändler betrachten Lebensmittel die in Form, Farbe oder Größe vom Ideal abweichen, als minderwertig oder wertlos. Obwohl viele EU-Handelsnormen, die einen Handel mit krummen Gurken verhinderten, abgeschafft sind, halten sich in den Köpfen der Menschen diese Vorurteile.

Das Unternehmen Culinary Misfits beispielsweise hat sich auf die Verarbeitung solcher Lebensmittel spezialisiert. Im Raum Berlin wird ein Catering angeboten, bei dem die eigenwillige Formen von Obst und Gemüse durch entsprechende Zubereitung in Szene gesetzt werden.

Abgabe von nicht verkauften Lebensmittel der Supermärkte verbessern

In Groß Britannien hat die Organisation FoodCloud es sich zum Ziel gesetzt, die Kommunikation zwischen Supermärkten und Wohlfahrtsorganisationen zu verbessern. Teilnehmende Supermärkte können per App ihre abzugebenden Lebensmittel eintragen und Abholzeiten festlegen. Diese Informationen werden dann automatisiert an Wohlfahrtsorganisationen gesendet, die dann die Lebensmittel direkt im Geschäft abholen können. So braucht sich der Supermarkt nicht auf eine Spendenorganisation festzulegen. Ist diese mit der Menge überfordert, springt die nächste Wohlfahrtsorganisation ein.

Lebensmittelverschwendung in privaten Haushalten stoppen

Der Verein Foodsharing stellt eine Plattform für Privatpersonen zur Verfügung, auf der Lebensmittel angeboten oder geteilt werden. Wenn zu viel gekocht oder gebacken wurde, kann dies ohne großen Aufwand mit Anderen geteilt werden. Auch wenn ein Urlaub ansteht und die restlichen Produkte im Kühlschrank Gefahr laufen zu verschimmeln, können hier ohne viel Aufwand Abnehmer gefunden werden. Über eine interaktive Karte können Lebensmittel in der eigenen Umgebung angezeigt werden, die zur Abholung bereit stehen. In meinem Fall ist das gerade ein Kirschkuchen, zwei Beutel Brötchen und Milch.

Verbesserungsmöglichkeiten gibt es noch an vielen weiteren Bereichen der Wertschöpfungskette von Lebensmitteln. Gesetze können genauso helfen wie gesunder Sachverstand. Interessant ist auch der Versuch, den Preis von Lebensmitteln an das Mindesthaltbarkeitsdatum zu koppeln. Je kürzer die Mindesthaltbarkeit noch ist, desto günstiger wird das Produkt. Vorreiter sind hier einige Bäckereien, die beispielsweise Backwaren vom Vortag ermäßigt anbieten.


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