Motten fressen Platiktüten – Eine Lösung für unseren Plastikmüll?

Larve der Wachsmotte kann Plastikmüll aus Polyethylen (PE) fressen

Foto: Larve der Wachsmotte kann Platiktüten fressen (Quelle: Sam Droege / Public Domain)

Ein Zufallsfund überrascht die Wissenschaft: Wachsmotten können Plastiktüten fressen. Dies könnte eine Möglichkeit darstellen, in Zukunft den Kunststoff Polyethylien (PE) auf natürlichem Weg abzubauen. Bislang gilt der Kunststoff besonders als Mikroplastik im Meer als großes Umweltproblem.

Plastiktüten bestehen aus Polyethylen – ein Stoff, der in der Natur nur sehr langsam abgebaut wird. Die UV-Strahlung der Sonne und die Witterung zersetzen Tüten, Kunststoff-Kanister oder die Kunststoff-Beschichtung von Coffee-to-go Becher nur sehr langsam. Die einzig schnelle „Entsorgung“ war die Verbrennung oder im besten Fall das Recycling. Eine Forscherin hat nun durch Zufall eine umweltfreundlichere Methode entdeckt. Im Fachblatt Current Biology veröffentlichte die Biologin Federica Bertocchini zusammen mit einigen Kollegen ihre Entdeckung.

Wachsmotten befreiten sich aus Plastiktüte

Die Forscherin Federica Bertocchini ist Hobbyimkerin und dadurch oft mit der Großen Wachsmotte (Galleria mellonella)  zu kämpfen. Diese leben als Parasiten in den Bienenstöcken und fressen dort das Wachs der Bienen. Aus diesem Grund entfernte sie die Motten und sammelte diese in einer Plastiktüte, entsorgte diese aber nicht sofort. Nach einiger Zeit bemerkte sie, dass die Motten sich munter durch die Plastiktüte gefressen hatten. Verwundert über diese unerwartete Entdeckung, wollte sie herausfinden, ob die Mottenlarven die Tüte lediglich mit ihren Mundwerkzeugen zerstört oder tatsächlich gefressen und verdaut hatten. Zu diesem Zweck sammelte sie mehrere Motten dieser Art, zerkleinerte sie und stellte aus ihnen eine wässrige Lösung her. Diese trug sie auf Plastiktüten auf und staunte nicht schlecht, als diese tatsächlich durch die Lösung angegriffen wurden. Damit war bewiesen, dass es in den Motten ein Enzym gibt, welches dazu in der Lage ist den Polyethylen (PE) zu zersetzen. Unklar ist bislang allerdings noch, ob die Motten dieses Enzym selbst in ihrem Verdauungstrakt herstellen können oder ob dies Bakterien übernehmen, die im Darm der Motten leben.

Überraschend war auch die Geschwindigkeit, mit der der Abbau von Polyethylen durch die Mottenlarven stattfand. Im Vergleich mit kürzlich gefundenen Mikroorganismen, die den Kunststoff PET von Plastikflaschen abbauen, waren die Mottenlarven um ein Vielfaches schneller. Da Polyethylen mit rund 40% der globalen Kunststoffproduktion, mengenmäßig der meisten hergestellte Kunststoff ist, sind klimaschonende Verfahren der Kunsstoffentsorgung von elementarer Bedeutung.

Plastikmüll im Meer

Polyethylen ist ein aus Erdöl hergestellter Kunststoff. Dieser zersetzt sich in der Natur nur sehr langsam und zerfällt dabei in immer kleinere Stücke. Diese werden durch Wind und Regen in die Flüssen und später in die Meere getragen. Hier sammeln sie sich in der Nahrungskette an, da die kleinen Plastikteilchen von viele Lebewesen mit der Nahrung aufgenommen. Der Kunststoff und die darin gebundenen Chemikalien landen damit wieder über Umwege auf unserem Teller.

Recycling von Plastikmüll im Haushalt verbessern

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, muss das wenig effiziente Kunststoff-Recycling durch den Grünen Punkt bzw. Gelbe Tonne  verbessert werden. Neben der Vermeidung von Plastikmüll, könnte eine sortenreine Trennung verschiedener Kunststoff-Typen das Recycling vereinfachen. Erstmals könnte ein biologische Stufe auf Basis des Enzyms der Wachsmotten, eine klimaschonendere Variante der Kunststoff-Entsorgung entwickelt werden. Bei den riesigen Mengen von Plastikmüll müsste dieses Enzym wohl auf biotechnologischen Weg hergestellt werden, um mit den Mengen an Müll in sinnvoller Zeit umzugehen.

Vermeiden statt recyceln

Bis dies soweit ist, ist es allemal besser Plastikmüll überall dort zu vermeiden, wo es möglich ist. Mehrwegverpackungen aus Kunststoff (z.B. Bierkisten) müssten gefördert werden. Um die Recyclingprobleme von verschiedenenartiken Kunststoffen kurzfristig zu lösen, könnte Wertstoffhöfe sortenrein sortiertes Polyethylen gegen Bezahlung entgegen nehmen, wie sie es auch mit wertvollem Altmetall machen. Aus diesem sortenreinen Kunststoff können dann wieder neue Plastikprodukte hergestellt werden, ohne dass es überhaupt zu einer „Entsorgung“ kommen muss.


ähnliche Artikel: