SUV-Schizophrenie: mit dem SUV als Ego-Krücke in eine sichere Zukunft?

SUV als Statussymbol - schon die Werbung vermarktet die Nachteile als Klassenabgrenzung

Werbung für einen SUV: die Nachteile dienen als Statussymbol und Abgrenzung von kleinen Massenautos (Quelle: TransitionsBlog CC-BY-SA)

Trotz gestiegenem Umweltbewusstsein in Deutschland zeigt sich durch den Boom beim Kauf von SUV's der Widerspruch: trotz hohem Spritverbrauch und Parkplatzknappheit liegen SUV's im Trend. Wer kauft diese Autos und was erhoffen sich die Leute? Studien geben Antworten auf dieses Phänomen.

SUV als Statussymbol

Schon die Werbung macht klar: sozialer Status und Anerkennung sind wichtiger als eine einfache Parkplatzsuche. Es liegt auf der Hand, das große schwere Autos in verstopften Innenstädten keine sinnvolle Kaufentscheidung darstellen. Doch warum kaufen die Leute SUV's als gäbe es endlos breite Straßen und klimaneutralen Öko-Sprit im Überfluss? Eine europaweite Umfrage von Ford mit 5000 TeilnehmerInnen zeigte ganz unterschiedliche Einstellungen, warum Leute einen SUV oder Geländewagen kaufen. Das Ergebnis verblüfft. Hauptsächlich dominieren drei Gruppen in der Bevölkerung, die einen SUV für ein erstrebenswertes Auto halten: junge Mütter, junge Männer und Senioren.

Vorstadt-Panzer bieten Schutz vor Kleinwagen

Für junge Mütter, deren Kinder noch zu Hause wohnen, ist der Schutzaspekt von Bedeutung. Ihnen vermittelt ein SUV ein Sicherheitsgefühl. Sie denken, solche Autos bieten besonders bei schlechten Wetterverhältnissen gute Fahreigenschaften und damit mehr Sicherheit. Junge Männer wischen 17 und 34 Jahren sehen SUV's als Erfolgssymbol. Sie wollen sich in einem attraktiven Fahrzeug präsentieren, dass kraftvoll und leistungsstark wirkt. Ältere Männer zwischen 50 und 59 schätzen vor Allem die erhöhte Sitzposition. Sie verbinden es mit einem „aktiven Lebensstil“. Sie wollen ein Auto, dass sie „überall hinbringt“ - nur nicht in die nächstgelegene Parklücke.

Kaufentscheidung wird durch Emotionen statt Fakten geleitet

Diese Studie von Ford zeigt, dass Kaufentscheidungen eher auf Emotionen, statt auf rationalen Fakten beruhen. In einer Welt von sich verknappenden fossilen Energierohstoffen, zunehmenden Umweltschäden durch den Klimawandel und verstopften Innenstädten mit hoher Feinstaubbelastung, wäre die logische die Antwort ein kleines 3-Liter-Auto oder besser gar kein Auto. Der regionale ÖPNV mit Park-and-Ride-Möglichkeiten oder städtische Car-Sharing-Angebote mit kleinen, umweltfreundlichen Autos wären eine Alternative.

Der SUV als Ego-Krücke

Der Psychologe Rüdiger Hossip sieht den Erfolg dieser protzigen Autos als Steigerung des Selbstwertgefühls. Er bezeichnet ihre Funktion als „Ego-Krücke“. FahrerInnen von  SUV's schätzen das Gefühl mehr Kontrolle zu haben, weil sie durch die erhöhte Sitzposition mehr Überblick haben. Gleichzeitig vermittelt dies den Eindruck von Stärke und Überlegenheit gegenüber kleineren Autos.

Wettrüsten auf der Straße

Doch dieses Gefühl der Überlegenheit ist nur von kurzer Dauer. Durch die Vielzahl der Leute, die inzwischen SUV's kaufen, wird der Größenunterschied immer geringer. Auch einkommenschwächere Bevökerungsgruppen kaufen sich billige oder gebrauchte  SUV's. Diese Konkurrenz ist also klassenübergreifend, wie der Politikwissenschaftler Markus Wissen feststellt  Es läuft auf ein gegenseitiges Wettrüsten auf den Straßen hinaus. Größer, schwerer, aggressiver – zum Nachteil von umweltbewussteren AutofahrerInnen, die in kleinen leichten Autos bei einem Crash schlechter geschützt sind. Hier offenbart sich der rücksichtslos egoistische Charakter von SUV-FahrerInnen. Er belastet die Umwelt durch den Ressourcenverbrauch an Rohstoffen und den Platzbedarf und gefährdet durch dessen Größe andere VerkehrsteilnehmerInnen.