Umwelttipps auf dem Prüfstand

Überall im Netz gibt es Wegweiser, die Handlungsratschläge für eine nachhaltige Lebensweise anbieten. Wie sinnvoll sind solche Ratgeber und welche Kriterien gilt es zu beachten?

Als Beispiel habe ich mir folgenden Ratgeber ausgesucht: 123 Praxisnahe Umwelttipps für ihr Zuhause. In diesem sind Tipps für eine nachhaltige Lebensweise aufgelistet, die nach Wohnbereichen getrennt sind. Vom Wohnzimmer bis zum Garten werden Einsparpotentiale aufgezeigt und problematische Nutzungsgewohnheiten aufgezeigt.

Wo hat der Ratgeber seine Stärken?

  • Layout/Lesebarkeit: Trotz der knapp 70 Seiten kommen die Tipps nicht als Blocktext, sondern als nummerierte Listen mit knappen Hinweisen, die auf das Wesentliche zielen. Das Layout enthält viele stimmungsvolle Bilder, die mit kleinen Info-Kästen versehen sind. Der Ratgeber ist in seiner Lektüre eher kurzweilig und kommt auf den Punkt
  • Hausmittel und DIY-Ideen: In den Listen finden sich auch immer wieder alte Hausmittel, die auch schon zu Großmutters Zeiten bekannt waren. Sich auf diese zu besinnen spart oft die Anschaffung unnötiger Haushaltschemie. Dazu kommen kommen noch einige DIY Ideen (z.B. Lampenschirm oder den Bau von Kerzenhaltern aus Tischbeinen).

An welchen Stellen kann der Ratgeber verbessert werden?

  • Fehlende Quellenangaben: Der Ratgeber nennt teilweise Zahlen oder arbeitet mit Vergleichen. Doch woher diese Informationen stammen, bleibt unklar. Das ist schade für Leute, die sich tiefgreifender mit der Materie beschäftigen wollen. Dazu macht es den Ratgeber auch angreifbar, weil unklar ist, von welchen Organisationen mit welchen Interessen die Zahlen stammen. Da Zahlen und Statistiken im Umweltbereich ein hoch umkämpftes Spannungsfeld ist (z.B. Zahlen von Umweltschuzorganisationen vs. der Erdöl- oder Kohleindustrie) sollte hier Transparenz oberstes Gebot sein.
  • Fehlende Gewichtung der Umwelttipps: Eingangs wird eine Statistik zu den Bereichen präsentiert, in denen die meisten CO2-Emmission stattfindet. Die beiden Hauptquellen für Kohlendioxid sind der private Konsum und die Mobilität. Diese Angaben sind streitbar, z.B. die weisen die Zahlen vom Umweltbundesamt der Energiewirtschaft den größten Verbrauch nach. Demnach sollte Ökostrom und Stromsparen die oberste Priorität haben. Wassersparen, wie es im Ratgeber öfters beschrieben steht, ist dagegen keine besonders hilfreiche Maßnahme die Umwelt zu schützen. In Deutschland gibt es keinen Wassermangel, aber viele Braunkohlekraftwerke oder Tiermastanlagen. Bei diesen Bereichen sind Handlungsveränderungen zu einer nachhaltigen Lebensweise angebrachter.
  • Konsumvermeidung (Suffizienz) als wichtigstes Umweltschutzkriterium wird nicht thematisiert: Der grünste Strom ist der, der gar nicht erst produziert werden muss. Und der Ostseeurlaub oder Schwarzwaldausflug ist die bessere Alternative als mit dem Billigflieger nach Mallorca oder Thailand. Dieser Aspekt wird kaum erwähnt, hat aber ungeheure Einsparpotentiale. Sich mit weniger Dingen zufrieden geben oder mehr Zeit für sich und soziale Beziehungen zu haben macht viel glücklicher, als einen SUV zu fahren oder vor den KollegInnen mit Reiseabenteuern in fernen Ländern zu prahlen.

Fazit: Schön aber ausbaufähig

Der Ratgeber ist toll illustriert und hat eine Fülle von Tipps, wo jedeR Denkanstöße finden wird. Er ist knackig geschrieben und hat seinen Schwerpunkt auf direkt umsetzbaren Alltagshandlungen. Leider hat die fehlende Gewichtung in der Effizienz der Maßnahmen einen bitteren Beigeschmack. So verschwinden ganz wichtige Handlungsalternativen in einer Flut relativ wirkungsloser Umwelttipps.


ähnliche Artikel