Versprochen gebrochen - Wie VW und der Rest der europäischen Automobilindustrie systematisch den Klimaschutz ausbremsen

Vergleich der Entwicklung von Verbrauch und Motorleistung vom Volkswagen Golf 1-7

Graphik: Vergleich von Verbrauch (gelb) und Motorleistung (rot) der verschiedenen VW-Golf Varianten als Bereich zwischen leistungsschwächsten und stärksten Motor bzw. des Spritverbrauchs (Quelle: transitionsblog.de)

Die Nachrichten sind gerade voll von den betrügerischen Software-Manipulation von Volkswagen an deren Motoren. Doch das Problem ist nicht nur der eine aufgedeckte Abgas-Skandal eines einzelnen Konzerns. Eine Studie vom VCD (ökologischer Verkehrsclub) und dem BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) deckt auf, wie die gesamte europäische Automobilbranche die eigenen Klimaschutzversprechen unterläuft, weil ambitionierte gesetzliche Emissionsgrenzwerte fehlen.

Blick in die Vergangenheit: Die Lüge der europäischen Automobilindustrie

Um EU-weite ambitionierte Klimaschutzgesetze zu verhindern hat die Automobilindustrie (ACEA- Association des Constructeurs Européens d'Automobiles) 1998 mit der EU-Kommission ein freiwilliges Abkommen geschlossen, die durchschnittlichen CO2-Emissionen bis 2008 auf 140g Kohlendioxid pro Kilometer zu begrenzen. Soweit so gut - die Realität zeigte 2008 eine Durchschnittsemission von 154g CO2/km. Besonders die deutsche Automobilindustrie lag über dem EU-Durchschnitt. Doch dies ist nun schon sieben Jahre her. Seit dieser Zeit wurden neue Modelle auf den Markt gebracht, die bestimmt mit moderner Antriebstechnik und effizienten Motoren die Weichen für einen nachhaltigen Klimaschutz gestellt haben - leider ist auch dies nicht passiert.

Wenn sie wollten wie sie könnten: moderne Motoren in alten Autos

Der Trend der Automobilindustrie geht zu immer schwereren Autos. Jedes Kilo mehr verbraucht zusätzlichen Treibstoff, um bewegt zu werden. Ein VW Golf von 1978 hatte rund 800kg Gewicht und verbrauchte mit den damaligen 37kW-Motoren 6,4l Benzin. Der Golf 7 bringt heute zwischen 1.205 – 1.427kg auf die Waage. Im Verbrauch liegt er zwischen 4,3l und 7,8l – je nach Ausstattung. Die kleinste Motorleistung fängt bei 63kW an und endet bei 221kW. Laut Berechnungen von Prof. Dr. Eckard Helmers, Verfasser der Studie, würde derselbe Golf 1 von damals mit einem aktuellen Motor nur 3,3l Benzin auf 100km verbrauchen. In der Diesel-Variante sogar nur 2,4l. An CO2-Emissionen wären dies nur noch 76g/km (Benzin) bzw. 63g/km (Diesel). Mit Erdgas würde der Golf noch ökologischer fahren. Hier wären nur 2,1kg Erdgas pro 100km nötig, welches 58g CO2 pro Kilometer über den Auspuff in die Atmosphäre abgeben würde.

Der aktuelle Trend: leistungsstark mit üppiger Ausstattung

Die Studie stellt fest, dass sich in den letzten Jahrzehnten das Fahrzeuggewicht kontinuierlich erhöht hat. Der Großteil der Gewichtszunahme ist größeren Karosserien und zusätzlichem Komfort geschuldet (z.B. elektrische Heckklappe, Klimaanlage, Sitzheizung, Fensterheber, …). Nur ein Bruchteil geht auf Kosten zusätzlicher Sicherheitseinrichtungen. Anhand der Versionen des VW Golf ist zu erkennen, dass das Gewicht jährlich um 1,6% anstieg, während die Motorenleistung um 2,9% (Benzin) bzw. 6,5% (Diesel) zunahm. Die möglichen Effizienzgewinne durch moderne Motoren schlagen sich also nicht im sinkenden Verbrauch nieder. Der Effizienzgewinn wird durch schwerere Autos und PS-strotzende Motoren wieder aufgefressen. Dieser Effekt wird auch als Rebound-Effekt bezeichnet. Exemplarisch ist dieser Trend an den Neuzulassungen von SUV's abzulesen. Diese Pseudo-Geländewagen haben mittlerweile einen Anteil an den Neuzulassungen von ca. 18% - Tendenz steigend.

Spritsparende Autos liegen wie Blei in den Regalen

Diverse „Öko-Autos“ sind schon längst technisch möglich und stehen zum Verkauf. VW Lupo 3L, Audi Duo, BMW i3 oder der Smart fortwo sind Beispiele für solche spritsparenden Autos. Doch scheint die europäische Automobilindustrie durch deren Preisgestaltung nicht daran interessiert zu sein, den Massenmarkt mit solchen Modellen zu versorgen. Saftige Aufpreise lassen potentielle Käufer und Käuferinnen zurückschrecken. In der Studie sind Tabellen, in denen diverse Modelle samt deren Aufpreise miteinander verglichen werden und ab wann sich der Aufpreis aufgrund der Spriteinsparung rechnet. Beispielsweise der VW e-up, den es für einen Aufpreis von 12.095€ gibt, amortisiert sich erst nach 500.000km.

Wollen die europäischen Automobilhersteller auch in Zukunft noch Autos verkaufen, muss hier ein schnelles Umdenken erfolgen. Das Ausruhen auf viel zu niedrigen Grenzwerten, wie sie von der Politik vorgegeben werden, führt zu einem Innovationstau. Längst hat z.B. Toyota in Sachen Hybrid-Autos die Nase vorn. Auch die Entwicklung von Gas-Autos stagniert. VW ist inzwischen ganz aus der Entwicklung ausgestiegen – auch hier dominieren asiatische Hersteller den Markt. Erdgas ist die sauberste Alternative aus der Reihe der fossilen Kraftstoffe. Mit Hilfe von Windgas können diese Autos auch CO2-neutral fahren. Mit Strom aus einer Windkraftanlage wird Wasserstoff hergestellt, welches dann weiter zu Methan verarbeitet wird. Dieser kann dann nach und nach dem Gasmix mit Erdgas zugesetzt werden bis irgendwann 100% Erneuerbare Energien erreicht sind. Um diesen Prozess zu beschleunigen würde es enorm helfen, wenn die Polikt über Gesetz ambitionierte Emissionsgrenzwerte festlegen würden. Dann wären die Hersteller gezwungen umweltschonende Motoren zu akzeptablen Preise zu verkaufen um nicht die Kunden an die Konkurrenz zu verlieren. 


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